Die Idee
Hinter "we are artists" steckt der Ärger über die schwierigen Verhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der deutschen Kulturszene. Wir richten unser Augenmerk auf die Situationen vieler Schauspieler, Darsteller und Bühnenangehörige, die sich ungerecht behandelt fühlen. Knebelverträge, Arbeitszeiten oder Vergütungen sind nur einige Stichpunkte, die diese sensiblen Themen anschneiden.
"Wer als Schauspieler arbeiten will, weiß vorher worauf er sich einlässt."
Diesen Satz kennt vermutlich jeder, der schon einmal an einem Theater gearbeitet hat. Aber rechtfertigt er wirklich, beispielsweise einen Schauspieler nach sechs Stunden Probe am Tag, zwischendurch Textlernen und abends auf der Bühne stehen, seine Ruhezeiten von elf auf acht Stunden zu verkürzen? Rechtfertigt es, ihn nach zwei Jahren NV-Bühne -aus künstlerischen Gründen- ihn wieder "dem Markt" zu überlassen?
Rechtfertigt es in Kauf zu nehmen, das tausende Schauspieler und Bühnenangehörige weit UNTER der Armutsgrenze leben ohne dabei ansatzweise einen Anspruch auf Arbeitnehmer-Rechte zu haben?
Tut man es an oder lässt man es sich antun? Die meisten in der Branche haben nie etwas anderes gelernt. Warum auch? Sie haben sich schließlich für ihren Traum entschieden und arbeiten mit allen Konsequenzen daran. Aus diesem Grund, haben aber auch genauso viele nie einen Schritt in die freie Wirtschaft gewagt. Wie auch? Außer vielleicht im Gastronomie-Gewerbe (deren Verhältnisse nicht unser Thema sein sollen) kennen die wenigsten die Vorzüge eines unbefristenen Arbeitsvertrags. Das Gefühl, vor 19 Uhr Feierabend zu haben und vielleicht am Samstagabend mit Freunden zu grillen. Diese Erlebnisse sind für Künstler die ganz große Ausnahme. Und wir behaupten, dass viele gar nicht darüber nachdenken möchten, weil es im Grunde den Druck in der eigenen Situation (als "Künstler" erfolgreich zu sein) nur verschärft.
Es ist der Traum von Hollywood, von der Hauptrolle im Tatort oder der "großen Rolle" am Volkstheater, dem BE oder der Schaubühne. Schlummert er nicht insgeheim überall? Der Traum vom Durchbruch? Und dann steht man auf der Seitenbühne eines kleinen Stadttheaters kurz vor Vorstellungsbeginn mit 200g Makeup im Gesicht und fragt sich mit Ende zwanzig: Wird das noch was? Lohnt es sich, auf die kommenden Wochenenden zu verzichten, seine Freunde und die Familie zu vernachlässigen? Lohnt es sich, unterbezahlt, in einer zu kleinen Wohnung, mit zu wenig Essen, mit einem zu kleinen Auto in einer zu kleinen Stadt zu leben? Lohnt es sich, von seinem Arbeitgeber gerne wie ein Tier behandeln zu lassen, weil es ja schließlich das Absprungbrett für die anstehende Karriere sein könnte? Lohnt es sich? Lohnt es sich, die dunkle Probenbühne in Kauf zunehmen, währrend im April um 17:00 Uhr die Biergartenzeit eingeläutet wird? Lohnt es sich?
Wir überspitzen sicherlich einige Punkte und vielleicht fühlst du dich auch gar nicht angesprochen: Dann gratuliere ich dir. Aber es geht doch im Grunde genommen darum: Spielen nicht die großen Theatermacher (es gibt sie doch an jedem Haus), mit den Träumen und Illusionen der "kleinen" Künstler?
Es gibt inzwischen Plattformen wie "die unverschämtesten Künstlergagen" oder ähnliche Organisationen, die dazu animieren, über die Verhältnisse am eigenen Haus regelmäßig zu berichten. Wir haben uns gefragt? Was soll das bringen? Solange jemand, der nicht finanziell ausgesorgt oder einen absoluten Namen in der Branche hat, offen darüber spricht, werden die wahren Fäden doch im Hintergrund gezogen. Stell dir vor, du bist Intendant und liest von einem Schauspieler, der sich öffentlich für das Thema "Rechte der Schauspieler" einsetzt. Möchtest du wirklich einen Anarchen einstellen?
Schauspieler sind Dienstleister. So brutal das auch klingen mag, sollte man sich (unserer Meinung nach) diesen Satz in Bezug auf sein Arbeitsverhältnis immer wieder klarmachen. Denn am Ende geht es um das Ergebnis. Was da auf der Bühne steht. Worüber dann Zeitungen schreiben und sich andere "wichtige" Entscheider das Maul zerreißen können. Und am Ende, ist es nicht am Ende immer wieder das selbe?
We are artists ist keine Lösung. Keine Antwort oder das Mittel gegen die Ungerechtigkeiten. Nein, es soll euch Mut machen. In der Gemeinschaft, auf einem ANONYMEN Boden die eigenen Probleme zu äußern und Hilfe zu bekommen. Wir sind soviele und unterstehen alle unseren Vorgesetzten. Wir können es uns nicht erlauben, ÖFFENTLICH über den eigenen Arbeitgeber herzu ziehen, obwohl das vielleicht wirklich mal legitim wäre.
Wer du auch immer sein magst. Du bist ein Künstler. Von dir gibt es viele. Du bist nicht allein und in der Gemeinschaft, kannst du etwas bewirken!
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